Älä mene yksin avantoon!

geschrieben am 21. März 2010 um 17:40 Uhr

Hinweisschild

Am Freitag waren wir in der Rauhaniemen kansankylpylä, für einen kleinen Obolus kann man dort solange schwitzen wie man will oder es aushält. Es gibt 2 Saunen mit leichtem Temperaturunterschied – beide aber angenehm warm.

Immer wieder schön zu beobachten, wie sozial die Finnen doch sind; kommt ein Finne/Finnin in die Sauna rein und es ist kein Sitzplatz auf der obersten Reihe frei, gibt es erstmal einen schönen Aufguss – bewegt sich immer noch niemand nach unten, dann geht es mit Aufgüssen weiter, bis ein Sitzplatz frei wird.

Eisloch - Rauhaniemi SaunaIrgendwie hat jeder seine Sauna, entweder es gibt eine für die Hausgemeinschaft, man hat seine eigene in der Wohnung oder am Sommerhäuschen (Möki) oder man geht in die nächste öffentliche Sauna. Gesund ist es und Spaß auch, wenn man mal wieder den inneren Schweinehund rausschwitzen kann.

Sonntag fänd ich es immer recht angenehm am Abend in die Sauna zu gehen, aber irgendwie ist bei meiner Hausung genau an dem Tag der Ofen immer aus. Nicht so wild, wir haben sowieso kein Eisloch direkt nebenan, kann man sich nur draußen abkühlen.

Ende 2008 schätze das Statistikzentrum (Tilastokeskus) die Anzahl der Saunen auf ca. 2Mio.in ganz Finnland, bei einer Bevölkerungszahl von ca. 5,3 Mio. ist das recht beeindruckend. Über 90% der Finnen sind regelmäßige Saunagänger (also mind. 1x die Woche). Da es nicht überall möglich ist eine Sauna in die Wohnung einzubauen, gibt es an vielen stellen auch eine Sauna für die Hausgemeinschaft. Das Finnische Parlament hat neben einem Swimmingpool auch eine Sauna mit im Gebäudekomplex integriert, bei Finnischen Friedensmissionen (z.B. bei der UNMEE Mission in Eritrea) war die Sauna angeblich mit das zu erst errichtete Gebäude. Eine Übersicht zu den Saunen, die die Finnen bei Friedensmissionen aufgebaut haben gibt es beim “Finnish Peecekeeping Museum” (Sauna-Gallerie).

Normalerweise sind in der Sauna zwischen 80-110°C, bei einem Aufguss wird Wasser direkt über die warmen Steine gegossen, der entstehende Wasserdampf wird “löyly” genannt. Wenn einem dann langsam zu warm wird und man es nicht mehr aushält gibt es unterschiedliche Abkühlmethoden – in den nächsten See oder Swimmingpool springen, duschen oder im Winter mit Schnee einreiben oder im nächsten Eisloch (avanto) schwimmen. Nach dem Abkühlen sollte man sich noch etwas ausruhen, bevor man erneut in die Sauna geht. Die Wartezeit kann man sich mit diversen Dingen vertreiben z.B. etwas Essen und/oder einem Bier oder alkoholfreien Getränk). In den Meisten finnischen Saunen hängen Flaschenöffner, falls man ohne nicht an sein Getränk kommt :-) . Eine weitere kleine Feinheit sind die Zweige der Hängebirke (vihta), man schlägt/klopft sich damit ab, das hat bzw. soll entspannende Wirkung für die Muskeln haben und hilft auch zur Beruhigung von Moskito-Stichen.

Man kann angeblich nicht so richtig zurückverfolgen, wann der Sauna-Enthusiasmus angefangen hat, es gibt Quellen die bereits im 16. Jahrhundert über Saunen berichten. Geographisch hat es sehr sicher den Ursprung im Norden zwischen Schweden und Russland. Schon früher hat man die Vorteile gut erkannt, es war ein warmer Raum, der der Hygiene gedient hat, gerade im Winter angenehm war. Die Gerbsäure im Qualm hat eine anti-bakterielle Wirkung, wodurch man einen fast sterilen Raum hatte, der bestens geeignet war zum Beispiel für Geburten etc.

Wie dem auch sein, Sauna ist sehr beliebt und wird es mit Sicherheit auch noch ein Weilchen bleiben in Finnland. Während des sehr kalten Winters 2003, kam es zu Strom-Engpässen, weil zu viele Finnen gleichzeitig ihre Sauna geheizt haben.

Und immer dran denken: “Nicht alleine ins Eisloch gehen!”

Tilastokeskus

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